Logistik 2026: Zwischen Roboter-Metaverse und dem harten Kampf um saubere Daten

by
Steffen Liermann
February 9, 2026

Logistik 2026: Zwischen Roboter-Metaverse und dem harten Kampf um saubere Daten

Willkommen im Jahr 2026. Wenn man sich im aktuellen „Software-Dschungel“ der Logistik umschaut, kann man sich schnell erschlagen fühlen – allein im Bereich Transport Management Systeme (TMS) und Telematik buhlen hunderte Anbieter um Aufmerksamkeit. Doch hinter den glänzenden Marketing-Fassaden von „AI-powered“ Lösungen trennt sich gerade die Spreu vom Weizen. Der Januar hat gezeigt: Wir verlassen die Phase des Innovationstheaters und treten in die Ära der operativen Umsetzung ein.

1. Der Realitätscheck: Buzzword vs. Business-Value

Viele Begriffe, die uns täglich begegnen, halten einer genaueren Prüfung kaum stand. Volker Möller (Exeter) stellt klar: „All-in-One“-Lösungen sind ein Auslaufmodell. In einer Welt, die nach Flexibilität verlangt, werden monolithische Systeme zunehmend durch modulare Best-of-Breed-Architekturen ersetzt.

Besonders kritisch wird mittlerweile das Label „AI-powered“ gesehen: Oft verbirgt sich hinter einer angeblichen KI-Tourenoptimierung schlichte Heuristik. Dennoch ist echte KI keine Zukunftsmusik mehr, sondern findet ihren Platz dort, wo sie unstrukturierte Daten versteht und Entscheidungen in komplexen Kontexten trifft.

2. KI-Agenten: Die neuen „virtuellen Mitarbeiter“

Ein Highlight des Monats ist die Zusammenarbeit zwischen Hellmann Worldwide Logistics und dem Start-up Zauber. Hier geht es nicht um einfache Chatbots, sondern um agentische Systeme.

  • Onboarding statt Programmierung: KI-Agenten werden wie neue Mitarbeiter behandelt – sie benötigen ein Training, Zugang zu Systemen und kontinuierliches Feedback.

  • Der „Spot-Quotation“ Use-Case: Bei Hellmann bearbeiten diese Agenten Preisanfragen innerhalb von Sekunden, indem sie Preisbestandteile aus globalen Quellen (z.B. China und Deutschland) autonom zusammensammeln.

  • Transparenz im Postfach: Ein unerwarteter Benefit ist die totale Transparenz über E-Mail-Inhalte, die eine präzise Prozessanalyse ermöglicht – quasi „Process Mining“ auf Basis von natürlicher Sprache.

3. Physical AI: Das Roboter-Metaverse der Otto Group

Während Hellmann die digitale Kommunikation automatisiert, setzt die Otto Group auf High-End-Simulation. In einer bahnbrechenden Partnerschaft mit Nvidia nutzt der Konzern das „Omniverse“, um Lagerstandorte digital detailgenau abzubilden.

„Es geht darum, die Roboterkoordination digital machbar zu machen und Sachen zu testen, bevor ein Roboter überhaupt real fährt.“

Durch den Einsatz der Simulationsplattform Isaac und spezieller KI-Infrastruktur können neue und alte Robotersysteme orchestriert werden, was Otto zum „First Mover“ in diesem Bereich macht.

4. Das Fundament: Ohne „Data Lakes“ keine Magie

Trotz aller KI-Euphorie bleibt ein altes Problem bestehen: Die Datenqualität. Ein aktueller Bericht von Trimble unterstreicht, dass schlechte Daten nach wie vor das Haupthindernis für den KI-Einsatz in der Transportbranche sind.

Die Strategie für 2026 lautet daher:

  • Unabhängigkeit vom Monolithen: Nutzen Sie Data Lakes oder moderne Plattformen wie Microsoft Fabric, um Daten aus verschiedenen Quellen (TMS, Telematik, ERP) zentral verfügbar zu machen.

  • API-First: Nur wer seine Daten per Schnittstelle im Griff hat, kann flexibel neue Tools anbinden, ohne bei jedem Systemwechsel eine neue Integrationshölle zu erleben.

  • ROI im Fokus: Automatisierungsprojekte im Bereich Datenmanagement erreichen oft einen Return on Investment (ROI) in deutlich unter einem Jahr.

Wenn du dich oder dein Unternehmen auch für KI vorbereiten möchtest, kannst dir hier deine kostenlose Checkliste herunterladen.

5. Marktbewegungen: Wenn Branchen verschmelzen

Der Januar überraschte zudem mit einem strategischen Merger: Der Drohnenhersteller Quantum Systems übernahm den Spezialisten für autonomes Fahren, Fernride. Dies zeigt einen klaren Trend: Autonomie-Software wird zunehmend plattformübergreifend gedacht – egal ob sich das Fahrzeug in der Luft oder am Boden bewegt.

Fazit: Machen statt Reden

Die Logistik im Jahr 2026 ist kein Ort für Zauderer. Die Technologie ist reif – sei es für die virtuelle Lagerplanung oder für autonome KI-Agenten im Kundenservice. Doch der Erfolg hängt nicht vom teuersten Tool ab, sondern von einer soliden Datenbasis und dem Mut, Prozesse der Software anzupassen, statt umgekehrt.

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